Reise
nach Ghana (März/April 2002)
„Ghana, wie kommst du
denn darauf?“ Das war die typische Frage, als ich mein Reiseziel bekannt gab.
Nach Ägypten und Südafrika wollte ich ins „richtige“ Afrika und war so eben auf
Ghana gekommen. Und Ghana ist auch durchaus eine Reise wert und ich habe
einiges dazugelernt: Die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft, mit der dort
im Allgemeinen uns Weißen begegnet wird. Die afrikanische Lebensart, von der
wir stressgeplagten Europäer uns gut eine Scheibe abschneiden könnten. Aber
auch die in meinen Augen zu große Geduld, mit der einige Unzulänglichkeiten
einfach hingenommen werden, ohne für Abhilfe zu sorgen. Auf
kraftfahrzeugtechnischem Gebiet weiß ich jetzt, wie schnell man ein Auto im
Notfall durch das Fenster verlassen kann. Meinen englischen Wortschatz konnte
ich um Vokabeln wie „Ausgangssperre“ erweitern. Aber ich berichte am Besten von
vorne.
Dass Ghana kein ganz
gängiges Reiseziel ist, war schon an der Reiseführerliteratur zu erkennen: Die
Auswahl fällt bei einem einzigen Band nicht schwer. Aber trotzdem setzte ich
mich über alle Vorurteile und Warnungen hinweg und meinen Plan in die Tat um.
Der erste Kontakt mit Ghana waren zwei Anrufe, um die erste Übernachtung in Accra sowie einen Kabinenplatz auf der Fähre über den
Voltasee zu reservieren. Es brauchte jeweils mehrere Versuche, bis eine stabile
Telefonverbindung zustande kam. Aber meine Anliegen wurden am Telefon kompetent
bedient.

Auf dem Markt
So kam ich am 23.
März abends in Accra an. Schon im Flugzeug lernte ich
ein typisch afrikanisches Phänomen kennen: Das Streben nach Europa. In der
hintersten Reihe saß ein Afrikaner mit Handschellen und zusammengebundenen
Beinen. Rechts und links neben ihm je ein Bewacher wie aus dem Bilderbuch: Mit
schwarzen Lederhandschuhen und Pokerface. Ohne Zweifel wurde hier jemand in
sein Heimatland abgeschoben.
Da es schon nacht
war, wollte ich mir nicht mehr mühsam ein Taxi suchen, sondern gönnte mir den
Limousinenservice des Flughafens. Vermutlich ist das YMCA kein übliches
Fahrziel für den Limousinenservice. Aber immerhin war das Hostel
dem Fahrer bekannt. Daher wunderte ich mich nicht wenig, als er anhielt und mir
erklärte, auf der anderen Straßenseite befinde sich das YWCA. Auf meinen
Einwand, ich müsse zum YMCA, erwiderte er, das wäre in der anderen Richtung und
dazu müsse er umdrehen. Es ging durch ein paar finstere Gassen und plötzlich
waren wir auf der anderen Straßenseite wieder vor dem YWCA. Ich erklärte
nochmals den kleinen Unterschied. Der Fahrer hielt trotzdem an, hupte einer
Gruppe von Personen und ich fragte die dann nach dem YMCA. Aber wieder sagte
der Fahrer, er wisse wo das sei. Und dann fuhr er auch endlich zielstrebig dort
hin. Wir waren bereits vorher daran vorbeigefahren. Mir ist es jetzt noch
rätselhaft, wieso er nicht gleich dort gehalten hat. Da ein Festpreis
vereinbart war, hatte er durch den Umweg keinerlei Vorteile.
Im YMCA Hostel wurde dann meine Buchung gesucht. Der Mann an
der Rezeption schlug seinen Kalender auf, erwischte aber eine Seite 2 Wochen
vor dem aktuellen Datum. Trotzdem suchte er auf dieser Seite meinen Namen. Und
als er ihn dort nicht fand, blätterte er weiter und sucht auf der nächsten
Seite. Am liebsten hätte ich die Suche selbst in die Hand genommen. Aber
schließlich kam er beim aktuellen Datum an, wo mein Name auch tatsächlich
eingetragen war.
Dann zeigte er mir
das Zimmer. Bei den
Duschen im ersten Stock gäbe es abends Probleme mit dem Wasserdruck, ich solle
dann die im Erdgeschoss benutzen. Bezüglich der Toiletten empfahl er mir,
lieber die im Hauptgebäude nahe der Rezeption zu benutzen; die im Hostel wären weniger gut.
Beim Verlassen des
Flugzeugs hatte mir sofort die heiße und feuchte Luft den Schweiß aus allen
Poren getrieben. Daher probierte ich die Dusche im Erdgeschoss gleich aus.
Allerdings war das Wasser gerade dann zu Ende, als ich komplett eingeseift war.
Wasser gab es in dieser Dusche auch am anderen Tag nicht und nicht einmal
vormittags.
Für das YMCA hatte
ich mich entschieden, weil ich gehofft hatte, dort viele Traveller
zu finden, die hier die letzten Tage vor dem Rückflug verbringen und wertvolle
Tipps fürs Reisen in Ghana auf Lager haben. Es war allerdings nur einer da,
ebenfalls ein Deutscher, der nach 2 Monaten Ghana wegen gesundheitlicher
Probleme vorzeitig zurückflog. Er hatte zwei Mal ein ghanaisches Krankenhaus
aufgesucht: einmal wegen schwerer Durchfälle und einmal wegen Malaria. Beim
einen Mal hatte er 2 Tage auf die Laborergebnisse warten müssen. Beim zweiten
Mal, in einem kleinen Provinzkrankenhaus, nur eine Stunde. Derart vorgewarnt
nahm ich mir gleich vor, beim Essen und beim Mückenschutz höchste Vorsicht
walten zu lassen.
Mein Zimmerpartner
war der Vizepräsident des YMCA in Ghana. In Deutschland trifft man in YMCA Hostels sicher keine Gäste mit Anzug und Krawatte. Die
meisten Bewohner waren Geschäftsleute aus Nigeria. Einer lud mich am anderen
Morgen ein, mit ihm zum Gottesdienst zu gehen. Da ich diesen ersten Tag ruhig
angehen wollte, war das genau das richtige. So dachte ich wenigstens. Als wir
ankamen, war alles bereits in vollem Gange. Eine elfköpfige Band spielte. Alles
klatschte mit, hüpfte, tanzte und sang. Eine Platzanweiserin dirigierte uns an
die Plätze. Und mit dem von der Band vorgegebenen Rhythmus fiel das Mitmachen
gar nicht schwer. Allerdings war das eine schweißtreibende Angelegenheit. Eine
Frau warf sich sogar in Trance auf den Boden. Alle außer mir hatten ein großes
Taschentuch dabei, um sich den Schweiß abwischen zu können. Schließlich endete
die Band und die Predigt ging los. Der Prediger fragte, ob auch alle ihr
Schreibzeug dabei hätten und bereit wären. Erst als beim zweiten Mal alle
begeistert bejaht hatten, legte er los. Mit seinem schnurlosen Mikrophon konnte
er mit großen Schritten die ganze Halle durchmessen und auch immer wieder
einzelne Besucher nach ihrer Ansicht zu einem Thema befragen. Es war keine
starre Gottesdienstordnung wie bei uns. Aus den Bibeln, die jeder dabei hatte,
wurden immer wieder einzelne Verse gemeinsam laut gelesen und dann vom Prediger
interpretiert. Das gemeinsame Lesen war dabei gar nicht so einfach, da es
mindestens drei verschiedene Übersetzungen gab. Die wichtigsten Stichworte, die
der Prediger vorgab, schrieben dann alle fleißig mit. Bei besonders wichtigen
Passagen wurde wie in der Schule gefragt, ob alle das jetzt aufgeschrieben
hätten. Gegen Ende des Gottesdienstes mussten alle, die zum ersten Mal da
waren, aufstehen. Ich bekam daraufhin ein Beitrittsformular und später gab es
noch ein Einzelgespräch mit einem Vertreter des Kirchengemeinderats. Da ich
sowieso wie ein bunter Hund auffiel, wurde ich am Ende dann auch noch von
unzähligen Leuten extra begrüßt. Wollte man sich länger in Accra
oder Ghana aufhalten, wäre das sicher gar keine schlechte Möglichkeit, um
Kontakte zu knüpfen.
Von diesem
Aufnahmeformular ist bemerkenswert, wie dort nach der Adresse gefragt wird: Man
gibt einen markanten Punkt in der Umgebung an. Dann wird beschrieben, wie viele
Häuser oder Blocks die Adresse davon in welcher Richtung entfernt liegt.
Außerdem ist die Farbe des Hauses und des Tores anzugeben.
Montags hatte ich
dann nochmals Geld gewechselt. Ich verfügte danach über 1,2 Millionen Cedis. Und das in lauter Fünftausenderscheinen, davon aber
240 Stück! Und die Scheine waren nicht so schön glatt wie unsere Euroscheine
sondern zum Teil ziemlich abgegriffen und vergammelt. Entsprechend hoch und
ansehnlich war der Geldstapel. Es war gar nicht so einfach, diese Menge in
meinem Geldversteck unterzubringen.
Am Montag ging es
dann auch weiter nach Akosombo, wo die Fähre über den
Voltasee abfährt, den zur Zeit noch größten Stausee
der Welt.
Zunächst nahm ich ein
Taxi zum Busbahnhof. Nach Auskunft im YMCA kostet diese Fahrt 3000 Cedis, der Fahrer würde aber zuerst 6000 Cedis verlangen, was ich ablehnen solle. Und genau so war
es dann auch. Das Wissen, dass man eine Taxifahrt immer auf ungefähr die Hälfte
runterhandeln muss, konnte ich auch später noch oft anwenden.
Vom Busbahnhof ging
es mit dem Tro-Tro weiter. So heißen die Fahrzeuge,
mit denen fast sämtlicher Verkehr in Ghana abgewickelt wird. Abfahrt an den Busbahnhöfen ist erst
dann, wenn voll ist. Unterwegs gibt es keine festen Haltestellen, sondern auf
Handzeichen halten die Tro-Tros überall und nehmen
bei Bedarf auch dann noch weitere Fahrgäste auf, wenn es eigentlich nicht mehr
geht. Plätze werden hier nämlich anders gezählt als in Deutschland: Im Kadett
waren wir einmal hinten vier Erwachsene und ein Kind. Auf dem Beifahrersitz
saßen ebenfalls zwei Personen. Ein andermal im VW-Bus waren wir einschließlich
Fahrer 18 Erwachsene und 3 Kinder. Dabei fand allerdings der Schaffner keinen
Platz mehr im Fahrzeug sondern stand in der offenen Schiebetür. Als Fahrzeugtyp kommt alles vom PKW bis zum Lastwagen mit
offener Ladefläche in Frage. In den Gegenden mit besseren Straßen kommen
zumeist Kleinbusse zum Einsatz. Viele davon waren vor 10 bis 20 Jahren bereits
in Europa unterwegs, wie oft noch an der Beschriftung zu erkennen ist. In abgelegeneren Gebieten mit schlechteren Straßen werden noch
ältere Fahrzeuge eingesetzt.

Wli-Wasserfall
Aber zurück zur
Fährüberfahrt. Telefonisch hatte ich mich ja auf die Warteliste für die erste
Klasse setzen lassen. Und auch der Abfahrtstermin war mir dabei nochmals
bestätigt worden. Trotzdem
stellte sich an der
Fähranlegestelle heraus, dass die Fähre, die sonst immer montags verkehrt,
wegen der bevorstehenden Osterfeiertage in dieser Woche schon am Sonntag
abgefahren war. So
musste ich schnell ein Ersatzprogramm aufstellen.
Mit dem nächsten Tro-Tro ging es in den Osten Ghanas,
nach Ho und Hohoe, einem Gebiet, das früher Teil der
deutschen Kolonie war, die im heutigen Togo aufgegangen ist. Dieses Gebiet
liegt bis knapp 1000 m hoch und hat daher ein Klima, das für uns etwas besser
verträglich ist. Wobei das immer auf die ausgeübte Aktivität ankommt. Beim Wli-Wasserfall bestieg ich gemeinsam mit einem anderen Traveller die obere Stufe des Wasserfalls. Nach Angabe unseres Führers klettert
dort nur etwa alle 2 Monate einmal jemand hinauf.
Obwohl die Landschaft wunderschön ist weiß ich nach dieser Anstrengung, warum
dieser Ort so wenig besucht ist.
Nachdem das Hotel in
Ho gar nicht schlecht war, wollte ich das in Hohoe
noch steigern und leistete mir das Grand-Hotel. Eigentlich hätte mich der Preis
stutzig machen sollen. Am ersten Abend duschte ich mit der Taschenlampe, da
nach einem tropischen Hagelschauer der Strom ausgefallen war. Später ging das
Licht wieder und deshalb wollte ich am nächsten Abend mit dem Duschen gleich
warten, bis der Strom wieder da war. Aber schließlich ging ich doch mit der
Petroleumlampe zum Duschen. Und nachdem nach zwei Litern Wasser Schluss war,
blieb nur noch die Eimerdusche, die ich hier erstmals richtig zu schätzen
lernte. Interessant ist, dass
dazu anderthalb große Eimer bequem ausreichen. Beim ersten Mal hatte ich das
völlig anders eingeschätzt. Im Vergleich dazu ist die bei uns übliche Dusche
die reinste Wasserverschwendung.
Als nächstes ging es weiter nach Tamale im Norden.
Von Hohoe aus gibt es dazu zwei Möglichkeiten: Zurück
nach Accra und dann auf guter Straße mit dem direkten
Bus. Doch das sind über 800 km. Die Alternative sind 450 Kilometer auf
nichtasphaltierter Straße. Bei meinen Erkundigungen wurde mir davon zwar
abgeraten. Aber immerhin sei das an einem einzigen Tag machbar. Also ging es
morgens früh los, zunächst nach Nkwanta. Entgegen
aller Vorhersagen gab es dort kein direktes Fahrzeug nach Bimbilla,
sondern ich musste bis zu diesem Ort noch zwei weitere Male umsteigen. Aber es
war ja noch früh am Tag. Das nächste Fahrzeug war ein Pick-up,
in dem ich gegen einen
kleinen Aufpreis sofort den Ehrenplatz vorne in der Mitte neben dem Fahrer
erhielt. Im Beifahrerfußraum stand die Batterie. Zwei dünne Kabel waren an den
Polen verdrillt. Daneben ein Kanister. Die Elektrik bestand aus frei
herumhängenden Kabeln; es gab im ganzen Fahrzeug nur zwei elektrische Schalter,
einen fürs Licht und einen für den Anlasser. Beim Öffnen der Tür sackte diese 5 cm nach unten. Zum Schließen musste sie nach
oben und dann von außen fest zugedrückt werden, damit ein angeschweißter Riegel
vorgeschoben werden konnte. Alle dünneren Teile, wie zum Beispiel der
Türschließmechanismus, waren an diesem Fahrzeug schon lange weggerostet. Auch
Scheiben gab es an den Seitenfenstern keine mehr. An der Beifahrerseite ragte
nur noch eine Scherbe in die Fensteröffnung.
Nach der Abfahrt ging
es als erstes zur Tankstelle. Dort wurde mir dann endlich die Bedeutung des
Kanisters im Fußraum klar: Es war der Benzintank. Er wurde zum Tanken entnommen
und dann wieder in den Fußraum zurückgestellt. Mit einem Schlauch wurde das
Benzin herausgesaugt. Ein zweiter Kanister wurde im Fußraum des Fahrers
deponiert. Später bei einem der zahlreichen Stopps zum Nachfüllen des
Kühlwassers wurden dann einmal die Kanister ausgetauscht, nachdem der erste
fast leer geworden war. Und ein paar Kilometer später durch Pfützen und
Schlaglöcher qualmte und stank es plötzlich ganz fürchterlich von der
Fahrerseite her. Mein Nebensitzer flüchtete sofort
durchs Fenster. Ich versuchte kurz noch, den Riegel der Tür zu öffnen, was aber
ohne Hilfe von außen aussichtslos war. Und dann nichts wie hinterher. Der
Fahrer lachte. Das sei doch nur ein Kabelbrand. Er riss den Lichtschalter
vollends ganz ab. Einen Zweck erfüllte er bereits vorher nicht mehr. Und dann
ging es wieder weiter. Ich war heilfroh, als die Fahrt mit diesem Fahrzeug zu
Ende war. Meine Hose und mein T-Shirt waren voller Spritzer von Getriebeöl. Ich
hatte ja direkt über dem Schalthebel gesessen und von dort war es
heraufgespritzt.
Später hatte ich über
meinen Ausstieg durch das Fenster nachgedacht. Ich weiß nicht mehr, ob ich das
Auto mit dem Kopf oder mit den Füßen voraus verlassen habe. Aber ich weiß
jetzt, dass das rasend schnell geht, wenn es sein muss. Vorausgesetzt dass in
einem unserer modernen Autos im Notfall nicht der elektrische Fensterheber
streikt.
Am nächsten Umsteigeort, einem Dorf ohne erkennbare Lorry-Station,
fragte ich nach einer Toilette. Da mein Gepäck bereits auf dem Dach des
nächsten Tro-Tros verladen war, konnte ich mich
voller Vertrauen der Führung dorthin anvertrauen. Anscheinend wurde ich ins
beste Haus am ganzen Ort geführt. An der ersten Toilette gingen wir nämlich
vorüber. Häuser auf dem
Land besitzen in der Regel nur eine Toilette für das kleine Geschäft. Daher
sind auch in Dörfern ohne Probleme öffentliche Toiletten zu finden. Am Eingang
wurde ein Bogen Zeitungspapier ausgegeben, den ich zum Glück verschmähte.
Dadurch wurde nämlich erkannt, dass ich nur pinkeln wollte und das durfte ich
an der Hauswand erledigen. Dem Geruch nach zu urteilen, der aus den Türen drang,
blieb mir dadurch einiges erspart.
Als ich im vierten
Verkehrsmittel dieses Tages saß, war es bereits Abend geworden. In dieser
abgelegenen Gegend sind die Wartezeiten doch länger, bis ein Tro-Tro voll ist und losfährt. Nach Tamale
wie beabsichtigt hatte es nun doch nicht gereicht. Aber der Fahrer kannte ein Resthouse in Bimbilla, dem Ende
seiner Fahrstrecke. Während der Fahrt hatte der Fahrer jede Gefällestrecke
genutzt, um den Motor abzustellen und Benzin zu sparen. Zum Glück waren es von der Stelle aus, wo der Motor nicht mehr
ansprang, nur noch 200 m bis zum Resthouse. Nicht
auszudenken, wenn die Fahrt bei Dunkelheit auf freier Strecke zu Ende gewesen
wäre.

Eines meiner Verkehrsmittel
Das war
jetzt also der unwegsame Osten Ghanas, von dem mir abgeraten worden war. Dass
hier kaum Weiße herkommen merkte ich, als ein Kind zu weinen anfing, als es
mich sah. Vielleicht war ihm vorher mit dem weißen Mann gedroht worden, falls
es unartig sein sollte. Erwachsene fragten in dieser Gegend nach meiner Mission
oder meinem Projekt. Weiße scheinen hier nur als Entwicklungshelfer
herzukommen. Manchmal wurde ich auch mit "Massa" angeredet. Das ist
schon ein komisches Gefühl.
In Bimbilla besuchte ich durch Vermittlung des Lehrers, dem
ich über den Weg gelaufen war, noch kurz den Chief.
Und dann ging es weiter die letzten 150 km nach Tamale.
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Eine führt über die Stadt Yendi,
wo es tags zuvor zu Unruhen gekommen war. Der Chief
eines Stammes war von einem befeindeten Stamm ermordet worden. Es gab mehrere
Tote und Verletzte. Zum Glück erwischte ich einen Lastwagen, der wegen dieser
Unruhen die andere Strecke fuhr. Das erste Stück ging auf unbefestigter Straße
durch die Savanne. Die letzten 40 km dann fast eine Autobahn: Eine breite
asphaltierte Straße mit Fahrbahnmarkierungen und befestigten Seitenstreifen.
Irgendein Land hatte wohl in seinem Entwicklungshilfeetat Geld übrig, das hier
schließlich in den Sand gesetzt worden war. Für das
Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke war die Straße um ein Mehrfaches
überdimensioniert. Eine kleinere Straße, dafür aber nicht nur 40 km lang
sondern über die gesamte Strecke, wäre weitaus sinnvoller gewesen. Das beste waren die Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen
auf 50 vor jeder Ansiedlung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich noch
kein Fahrzeug gesehen, bei dem der Tacho funktioniert hätte.
In Tamale verließ ich dann abends um halt acht das Hotel, um
Essen zu gehen. Um halb sieben wird es in Ghana dunkel. Irgendetwas war komisch.
Die Straße menschenleer. Sollten die Sitten im Norden so anders sein als im
Süden? Hier sind die Menschen hauptsächlich Moslems. Vielleicht war das der
Grund? Auch die Hauptstraße war völlig unbelebt. Bis auf einen Uniformierten
mit Gewehr. An der nächsten Kreuzung dann eine Gruppe von Soldaten. Einer
fragte mich, wo ich hinwolle. „Hurry up and go“ antwortete er auf meine Angabe, ich wolle zum
Restaurant vorne an der Ecke. Da das Restaurant geschlossen hatte, kam ich
gleich wieder zurück und blieb diesmal unbehelligt. Im Hotel stellte sich dann
heraus, dass die Ausgangssperre von Yendi auf Tamale ausgedehnt worden war. Warum hatte mir das beim
Weggehen niemand gesagt? Schließlich saßen am Hoteleingang immer mindestens
fünf Hotelbedienstete herum!
Am nächsten Tag wurde
mir erzählt, dass das Brechen der Ausgangssperre mit Gefängnis geahndet würde.
Als Ausländer war ich da wohl wieder privilegiert.
Die Wettervorhersage
für Tamale für den folgenden Tag war: tagsüber 42°,
nachts Abkühlung auf 27°. Und das ist dort keine außergewöhnliche Hitzewelle,
sondern das sind völlig normale Temperaturen. Der Ventilator im Zimmer war in
der Nacht wie ein heißer Fön. Mein ursprünglicher Plan war, von Tamale aus
noch weiter in den Norden zu gehen, wo es noch etwas heißer ist. Schweißgebadet
warf ich in dieser Nacht kurzfristig meine Pläne um, um mich schnellstmöglich
wieder in den Süden mit etwas angenehmeren Temperaturen aufzumachen. Später entdeckte ich, dass mein Fieberthermometer bei 41½°
stehen geblieben war, die Temperaturmeldung war also richtig gewesen.
Nächste Etappe war
der Mole-Nationalpark in 160 km Entfernung. Dieser Nationalpark wird von Tro-Tros nicht angefahren. Dafür aber vom Country-Coach der OSA, der Omnibus Service Authority. Das ist eine der Busgesellschaften, die nach
einem festen Fahrplan verkehren ohne zu warten, bis alle Sitzplätze restlos
belegt sind. Laut Reiseführer sind diese Busse insofern zuverlässig, als sie
immer irgendwann kommen, aber auf Grund der ghanaischen Straßenverhältnisse
nicht immer unbedingt pünktlich. Morgens kaufte ich mir die Fahrkarte, Abfahrt
nachmittags um drei, Reporting Time um halb drei. Das hörte sich ja ganz
vielversprechend an. Gegen 2 Uhr war ich an der Haltestelle. Als gegen 5 noch
immer kein Bus da war, wurde ich langsam unruhig. Schließlich wollte ich nicht
noch einen Abend mit Ausgangssperre verbringen. In der Stadt war an diesem Tag
ein gepanzertes Fahrzeug mit der Aufschrift „Che Guevara“ patrouilliert.
Militärflugzeuge kreisten im Tiefflug über der Stadt. Zwei Männer mit Osama-Bin-Laden-T-Shirts stärkten mein Vertrauen auch nicht
gerade. Aber es wurde erklärt, der Bus sei in der Werkstatt und er komme auf
jeden Fall noch vor Beginn der Ausgangssperre.
Und gegen sechs Uhr
war es dann auch soweit. Ich hatte eine 3er Sitzbank für mich allein und war
bald froh, als ich Tamale hinter mir gelassen hatte.
Schade, dass die
Fahrt durch die Verspätung nun zu einer Nachtfahrt geworden war. Von diesen 160
Kilometern ist nur die erste Hälfte asphaltiert. Und die unbefestigte Straße
tat dem Bus nicht gut: Um 9 Uhr ein seltsames Geräusch. Die Kardanwelle war
abgerissen. Aber nach einer halben Stunde Reparatur ging es weiter. Allerdings
nur eine Viertelstunde lang. Dann wieder das gleiche jetzt schon bekannte
Geräusch. Diesmal
dauerte die Reparatur schon fast eine Stunde. Und das alles bei Nacht mit
Taschenlampen mitten in der Savanne. Zum Glück gibt es in Ghana nicht mehr sehr
viele Löwen.
Nach dieser zweiten Reparatur
war die Kardanwelle noch zwei weitere Male abgerissen. Um halb 3 Uhr morgens
kam der Bus dann in Damongo 15 km vor dem Mole
Nationalpark an. Die meisten Fahrgäste stiegen aus. Der Fahrer erklärte, hier
wäre Endstation. Ich hatte nun eine ganze Sitzreihe für mich
alleine und konnte in Ruhe schlafen.
Am anderen Morgan kam
vom Nationalpark ein Lastwagen, der in Damongo Eisblöcke holte. Mit dem kam ich dann etwas verspätet endlich an mein Ziel.
Im Nationalpark ging
es auf Pirsch nach Elefanten, Antilopen, Krokodilen, Affen und Wildschweinen. Am beeindruckendsten
waren die Elefanten. Das wird
sicher auch mit dadurch verstärkt, dass hier die Safaris zu Fuß durchgeführt
werden. Der Nationalpark hatte früher einmal Geländewagen besessen. Doch waren
diese Fahrzeuge inzwischen auf wundersame Weise irgendwo hin
verschwunden, wie das nur in Afrika passieren kann.
Für die Übernachtung
im Nationalpark werden Zelte fertig zur Verfügung gestellt. Nachmittags kam
eine Horde Affen, die im Zelt wohl etwas Essbares vermuteten. Sie schafften es
nicht, ins verschlossene Zelt zu gelangen. Nur eine Zeltstange hatte sich durch
das Dach gebohrt. Doch bis abends war das wieder behoben. Nachdem versichert
worden war, dass die Affen nachts nicht aktiv seien, nutzte ich das Zelt auch
in der Nacht nur zum Abstellen des Gepäcks. Auf bereit gestellten
Liegen im Freien zu schlafen war nämlich viel angenehmer als im stickigen Zelt.
Am anderen Morgen
ging es dann wieder zurück. Ich wollte zunächst nur ins 6 km entfernte Larabanga zur dortigen Moschee im westsudanesischen Stil.
Anschließend sollte es weitergehen in den Süden nach Kumasi.
Verkehrsmittel ab Larabanga seien kein Problem, wie
mir versichert worden war.
Und für die Fahrt ab
dem Nationalpark stand sogar der OSA-Bus bereit. Angeblich
war es seit Tagen das erste Mal, dass er wieder bis zum Mole Nationalpark
durchgekommen war. Fahrplanmäßige Abfahrt war um halb sechs Uhr morgens. Als
ich mit meiner Taschenlampe am Bus ankam, kam ich wie gerufen: Meine
Taschenlampe wurde für die erste Reparatur benötigt. Vom Motor tropfte das Öl
herunter. Ein anderer Fahrgast stellte sein Taschenmesser zur Verfügung.
In der Wartezeit
während der Reparatur ging ich nochmals zu meinem Zelt zurück. In der
Zwischenzeit war dort ein Elefant aufgetaucht. Keine 10 Meter von der Stelle
entfernt, wo meine Liege von der Nacht noch stand, zupfte er Blätter von einem
Baum. Was für ein Glück, dass die Abfahrtszeit des Busses so früh war. Nicht
auszudenken der Schreck, morgens von einem Elefanten geweckt zu werden.

Moschee in Larabanga
Inzwischen war der
Bus erfolgreich repariert worden und es ging los. Nach Besichtigung der Moschee
gab es ab Larabanga dann allerdings keinesfalls so
viele Verkehrsmittel wie vorher versprochen. So war ich froh, als ich gemeinsam
mit zwei weiteren Touristen in einem Lastwagen wenigstens bis zum Nachbarort Damongo mitfahren konnte. Dort stellte sich heraus, dass
die morgendliche Reparatur am OSA-Bus doch nicht so
erfolgreich gewesen war: Der Bus war nicht weiter als bis Damongo
gekommen. Und mit dem Bus waren jede Menge Fahrgäste in Damongo
gestrandet und warteten auf ihr weiteres Fortkommen. Die Transportkapazität in
dieser Gegend war damit hoffnungslos erschöpft.
Aber in Ghana geht es
immer irgendwie weiter. Es kam ein Pick-up der
katholischen Mission. Ich bat den mürrisch dreinblickenden Fahrer, uns drei bis
zur Abzweigung nach Kumasi mitzunehmen. Er sagte
weder ja noch nein, parkte sein Fahrzeug jedoch 50 Meter weiter. Und irgendwie
war es schon klar, dass er bereit war, uns mitzunehmen. Einer meiner Mitfahrer
kam an und bedankte sich bei ihm dafür, dass er uns mitnehmen wolle. Die
Antwort war, dass er uns mitnähme, weil ich gefragt hätte. Von Wollen könne
jedoch keine Rede sein, Wollen sei etwas anderes. Schließlich durften wir drei Weiße den Pick-up
besteigen. Ungefähr 40 Afrikaner standen bereit und wollten ebenfalls mit. Für
ungefähr 15 wäre nach dortigen Verhältnissen noch Platz gewesen. Aber ihnen
allen wurde die Mitfahrt versagt. Das ganze war sicher kein gutes Marketing für
die katholische Mission.
Ab der Abzweigung war
es dann nicht mehr ganz so schwierig, eine Fahrgelegenheit nach Kumasi zu erwischen. Nach insgesamt 7 Verkehrsmitteln an
diesem Tag war ich abends allerdings doch froh, als ich im Hotel in Kumasi ankam.
Kumasi ist das kulturelle Zentrum von Ghana. Nach Besichtigung der
Stadt und dem Besuch zweier nahegelegener Naturschutzgebiete ging es weiter an
die Küste. Zur Fahrt ins 260 km entfernte Takoradi
entschied ich mich für den Nachtzug. Abfahrt des Zuges war abends um halb neun,
Ankunft am anderen Morgen um sieben Uhr. Ich gönnte mir Schlafwagen erster
Klasse, was mit 2,70 € immer noch billiger war als ein durchschnittliches
Hotelzimmer. Als Reporting Time war 8 Uhr genannt worden. Bei meiner Ankunft am
Bahnhof stand der Zug bereit. Die Fahrgäste saßen schon drin. Nur die Waggons
mit den Schlafabteilen waren noch abgeschlossen.
Um 9 Uhr wurde
schließlich geöffnet. Vorher hatten alle Fahrgäste im Freien warten müssen. Ich
frage mich ob sie auch dann noch so lammfromm gewartet hätten, wenn ein
richtiger tropischer Regenschauer niedergegangen wäre.
Nach Bezug der
Abteile stellte sich heraus, dass ich ein Zweibettabteil für mich allein hatte.
Es war die Tropenausführung mit Deckenventilator und Fliegengitter am Fenster.
Einziger Mangel war, dass die Bettwäsche alles andere als sauber war. Aber in
Ghana geht sowieso niemand „ins“ Bett sondern höchstens „aufs“ Bett. Als ich im
YMCA in Accra meinen Schlafsack ausgepackt hatte,
hatte sich mein Zimmerpartner sehr gewundert. Zudecken ist bei den Temperaturen
in Ghana einfach nicht erforderlich. So klappte ich in meinem Abteil die
Liegefläche mit der Bettwäsche einfach weg und konnte es mir auf der Sitzbank
bequem machen.
Abfahrt war
schließlich gegen 11 Uhr. Am anderen Morgen wachte ich wie fast immer in Ghana
um 6 Uhr auf. Der Zug stand in einem Bahnhof. Er war noch nicht viel weiter als
100 km gekommen. Angeblich gab es irgendwelche Probleme auf der weiteren
Strecke. Später hieß es, die Strecke sei jetzt frei, aber nun müsse noch der
Gegenzug abgewartet werden. Um 9 Uhr wurde mit einer großen Glocke das Signal
zum Einsteigen gegeben. Doch es war falscher Alarm. Der Zug fuhr zwar los. Aber
nach wenig mehr als hundert Metern hielt er bereits
wieder an. Nun hieß es, es gäbe Probleme mit der Lok. Es dauerte dann noch bis
11 Uhr, bis hinten eine zweite Lok angekoppelt war und die Fahrt weiterging.
Diese Lok wurde später wieder abgehängt, das heißt die Lokomotive war nicht die
Ursache für die Verzögerung.
Bei der weiteren
Fahrt hielt der Zug dann an jedem noch so kleinen Bahnhof an. Aber langweilig
war die Fahrt auf keinen Fall. Auf allen Bahnhöfen wurde man mit dem Nötigsten
versorgt. Ich kaufte unterwegs Avocados, Bananen, Erdnüsse, Kekse, Eier und vor
allem Wasser, das in Ghana portionsgerecht in Halbliterplastikbeuteln verkauft
wird. Im heißen Norden hatte ich noch 6 Liter Wasser pro Tag benötigt. Hier war
mein Verbrauch wieder etwas zurückgegangen.
Gegenüber dem Bus hat
der Zug den Vorteil, dass die Gleise üblicherweise durch unberührtere Natur
gehen. Da es sich auf der Straße überall problemlos anhalten lässt, zieht jede
Straße am Rand die Zivilisation nach sich. Ein Zug hält nur an den Bahnhöfen,
weshalb es nicht so attraktiv ist, sich entlang der Schienen anzusiedeln. Und
entsprechend ist vom Zug aus mehr Grün und Landschaft zu entdecken. Und in
meinem Abteil mit dem Ventilator ließ es sich gut aushalten.


Wann der Zug an seinem
Bestimmungsort angekommen ist? Er hat ihn nie erreicht! Ungefähr 60 km vorher
in der Stadt Tarkwa wurde mir geraten, hier
auszusteigen und mit dem Tro-Tro weiterzufahren. Der
Zug würde zwar noch weiter fahren. Aber wegen Problemen auf der Strecke würde
er nicht bis Takoradi kommen. Und in Tarkwa sei am Einfachsten ein Verkehrsmittel für den
Weitertransport zu finden.
So verließ ich nach 20 Stunden mein lieb gewonnenes Abteil und erreichte kurz vor
Einbrechen der Dunkelheit Busua, meinen ersten Standort
an der Küste.
Dass es in der Lodge dort kein fließendes Wasser gab, machte mir nichts
mehr aus. Ein Wasserträger sorgte den ganzen Tag über vom Brunnen für Nachschub
für die Eimerdusche, die Klospülung, das Händewaschen und nicht zuletzt auch
zum Kochen im Restaurant. Zum Glück entdeckte ich erst am Tag der Abreise, als
eines der Wasserfässer fast leer war, dass das Wasser im Bodensatz der Tonne
doch ziemlich trüb war und nicht so klar wie es vorher den Anschein gehabt
hatte. Aber inzwischen hatte sich meine Verdauung wohl schon an derlei gewöhnt.
Ich spürte keinerlei Nebenwirkungen.
Von dort aus ging es
der Küste entlang bis nach Cape Coast, wo ich die
letzten Tage vor dem Rückflug verbrachte. Dort erhoffte ich mir zum Ausklang meiner Reise nochmals ein
“gutes” Hotel; meine Anforderungen dazu waren fließendes Wasser sowie saubere
Bettwäsche. Und im vierten Hotel, in dem ich ein Zimmer inspizierte, fand ich
schließlich auch beide Bedingungen erfüllt.
In Cape Coast gibt es – wie in vielen Städten entlang
der Küste – eine Sklavenburg, von wo aus in früherer Zeit Sklaven nach Amerika
verschifft worden waren. Außerdem noch den Khakum
Nationalpark. Im Gegensatz zum Savannengebiet im Norden ist hier tropischer
Regenwald anzutreffen. Hauptattraktion dort sind Hängebrücken zwischen den
Urwaldriesen, von denen aus man den Wald einmal aus einer anderen Perspektive
betrachten kann. Wie es mir von anderen tropischen Regenwäldern her bereits
bekannt war, konnte man dort zwar jede Menge Vogelstimmen hören. Aber bis auf
Ameisen und Schmetterlinge bekam ich keine Tiere zu sehen.

Sklavenburg in Cape Coast
Zum Schluss
übernachtete ich noch einmal in Accra. Allerdings
nicht mehr im YMCA; ich hatte inzwischen eine Empfehlung für ein Hotel erhalten,
das meine oben genannten Anforderungen erfüllte. Dann ging es wieder nach
Hause. Vom Flughafen
aus weiter mit Zug und Bus. Dass mir der erste Zug vor der Nase wegfuhr, war
mir egal; ich hatte wohl schon etwas von der afrikanischen Gelassenheit angenommen.
Bei beiden Fahrten hatte ich überall einen Sitzplatz für mich allein. Aber um welch einen Preis! Die Fahrpreise 20
mal so hoch wie seither gewohnt. Und weder der Schaffner im Zug noch
auch später der Busfahrer waren bereit, auch nur einen Cent nachzugeben.
„Ghana, was gibt es
denn dort?“ Diese Frage kann ich jetzt beantworten. Auch wenn dieser Bericht
etliche Situationen beschreibt, wo irgendetwas nicht oder nicht so geklappt
hat, wie wir das aus unserer perfekten Welt erwarten, so ist das Reisen dort
trotzdem nicht unangenehm. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ghanaer
hilft nämlich in allen Situationen weiter. Ein Afrikaner hat es in Deutschland
sicher ungleich schwerer, da ihm hier kaum jemand so begegnen wird, wie wir
Europäer in Ghana aufgenommen werden. Oder wo passiert es in Deutschland, dass man nach irgendeinem Bus fragt, und der Befragte
begleitet einen dann sofort bis zum richtigen Fahrzeug? Oder man kommt an einer
Gruppe von Personen mit selbstgebrautem Hirsebier vorbei und darf erst
weitergehen, wenn man aus der sofort geschöpften Kalebasse probiert hat. Diese
Erfahrung sollte jeder einmal machen. Ghana hat so gut wie keine
landschaftlichen oder architektonischen Sehenswürdigkeiten. Aber schon allein
wegen der Menschen lohnt sich die Reise dorthin auf jeden Fall.
Hier gibt es noch
weitere Bilder aus Ghana
Dieser Bericht war so
ähnlich in Heft 5/2003 des Tours-Magazins erschienen.
Weitere Berichte über
Reisen in Ghana gibt es unter